Gebäudetechnik – fix und fertig

Vorfertigung soll die Kosten haustechnischer Installationen mindern. Das neue Haustechnik-Modul ermöglicht eine Infrastruktur ab Werk. Gesucht sind Industriepartner.

„Eine Bohrung kostet auf der Baustelle zehnmal mehr als in der Fabrik.“ Eine Zuspitzung – aber im Grundsatz zutreffend. Denn das Einsparpotenzial der Vorfabrikation ist völlig unbestritten, auch wenn die Bauwirtschaft diese Kostenvorteile noch zu wenig ausschöpft. Dazu gehören haustechnische Installationen, die – ganz im Gegensatz zu anschlussfertigen Systemen – weitgehend von Hand verlegt und eingezogen werden. Doch das könnte sich bald ändern. Eine Gruppe von Architekten und Ingenieuren entwickelten, unter Leitung des Amts für Hochbauten der Stadt Zürich, ein haustechnisches Infrastruktur-Modul.

Lieferung durch Systemanbieter
Das Modul bildet einen geschosshohen Schachtabschnitt in Leichtbeton, in dem alle wesentlichen Steigstränge vormontiert sind. Am oder im Schacht-Modul ist das ganze Sortiment haustechnischer Bauteile verfügbar (Tabelle). Vom robusten Schutzmantel befreit wird das Modul allerdings erst, wenn die Register der Bodenheizung verlegt werden. Dadurch ist das Modul von der Anlieferung durch den Systemanbieter bis zur haustechnischen Einbindung durch die Installateure geschützt. Zu diesen Installationsarbeiten zählen vor allem die Verbindungen zwischen den Geschossen sowie zu den Geräten und Komponenten innerhalb der Wohnung. Einem Liftschacht vergleichbar, werden die Elemente aufeinandergereiht, aber zwischen den Geschossen schalltechnisch entkoppelt und statisch über die jeweiligen Decken abgetragen.

Hinter der Garderobe
In der Abbildung ist die exemplarische Position des Moduls in den Grundrissen einer 3,5- respektive 4,5-Zimmer-Wohnung ersichtlich. An der längeren Wandung ist über die ganze Breite von 170 cm eine Garderobe angebaut; die andere Wand ist 150 cm breit. Die Grundfläche misst 2,5 m2, wovon etwa die Hälfte auf die Garderobe entfällt. Im Grundsatz ändert sich am Schachtkonzept nichts, wenn dessen Teile vorgefertigt auf die Baustelle kommen. Insofern bleiben die Standortkriterien für das Schachtmodul gleich wie bei konventionell gebauten Schächten: zentrale Lage innerhalb der zu versorgenden Raumfolge und möglichst angedockt an eine oder mehrere Nasszellen.  

Qualität steigern
Nach der Nullserie sollen die GT-Module Kosten sparen und gleichzeitig eine höhere Qualität garantieren. Denn diesbezüglich erkennen die beteiligten Fachleute ein Potenzial – aus mindestens drei Gründen. Installationsarbeiten in Schächten und ihren angedockten Verteilstationen bieten einige handwerkliche Herausforderungen, die in sehr unterschiedlichem Gütegrad gemeistert werden. Die Aufgabe wird noch erschwert, weil mehrere Gewerke daran beteiligt sind. Und schliesslich führt der Termindruck auf Baustellen zu höheren Risiken für fehlerhafte Installationen.                  

Wohnsiedlung mit Gebäudetechnik-Modulen
An der Herdernstrasse baut die Stadt Zürich die gleichnamige Wohnsiedlung mit 46 Wohnungen sowie einigen Atelier- und Gewerberäumen. Nach dem heutigem Stand der Planung sollen alle Wohnungen mit dem neuen Gebäudetechnik-Modul ausgerüstet werden. Dazu wurde der ursprüngliche konzeptionelle Vorschlag durch ein interdisziplinäres Team nach fertigungs- und haustechnischen Kriterien optimiert. Neben den Architekten der Siedlung beteiligten sich Fachleute des Amts für Hochbauten sowie spezialisierte Haustechniker. Bis Ende Januar 2016 ist der Prototyp fertig, ein geeigneter Zeitpunkt, um mit interessierten Industriepartnern in Kontakt zu treten. In Anbetracht des beachtlichen Potenzials dieser Neuentwicklung dürfte es an geeigneten Partnern kaum fehlen.             

Beteiligte: Stefan Lutz, Amt für Hochbauten der Stadt Zürich, Projektleiter; Nicolas Bless, Wirkungsgrad Ingenieure, HLS-Ingenieur; Matthias Meier, WSMAG, Elektroingenieur; Michael Bühler, Nimbus Architekten, Architekt; Rolf Menzi, Coneco, Baumanagement; Thomas Wanner, SNZ Ingenieure, Statik; Roger Koller, BKK Produkte, Bau des Prototypen; Manfred Huber, Aardeplan Architekt, Verfasser Studie „Modulare Gebäudetechnik“; Benno Zurfluh, Zurfluh Lottenbach, HLK-Ingenieur, Verfasser Studie „Modulare Gebäudetechnik“.

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